Rente mit 67. Und ein paar Gedanken, die mich gerade beschäftigen

Seit mein Mann vor zwei Jahren mit 66 Jahren in Rente gegangen ist, beschäftigt mich das Thema Rente vermutlich ein bisschen mehr als früher.

Ich selbst muss regulär bis 67 arbeiten. Und eigentlich finde ich das schon blöd. Wieso denn eigentlich bis 67? Wobei „muss“ vielleicht auch das falsche Wort ist. Vielleicht arbeite ich dann sogar noch. Keine Ahnung. Heute bin ich 60 und kann mir durchaus vorstellen, auch mit 67 noch das eine oder andere zu machen.

Aber ich hätte schon gerne die Wahl.

Und jetzt gerade wird wieder darüber diskutiert, ob wir in Zukunft vielleicht noch länger arbeiten sollen. Ob es nun wirklich 68 wird oder ganz anders kommt, weiß natürlich noch niemand. Aber ich werde hellhörig.

Friedrich Merz hat vor einer Weile über die Lebensarbeitszeit gesprochen und sinngemäß gesagt: Viel wichtiger als die Frage, ob man mit 67 oder 68 Jahren in Rente gehen kann, sei die Frage, wie lange jemand gearbeitet hat. Wer mit 16 eine Ausbildung beginnt und dann 45 Jahre am Stück arbeitet, der hat ziemlich viel geschafft. Wer später anfängt zu arbeiten und entsprechend weniger Jahre zusammenbekommt, müsse entsprechend länger arbeiten.

Hä??? Was heißt denn eigentlich „viel geschafft“?

Ich habe vier Kinder geboren. Wir haben außerdem ein Pflegekind im Alter von anderthalb Jahren bei uns aufgenommen. Meine Kinder sind heute erwachsen und zahlen selbst in die Rentenversicherung ein. Ich habe mich als junge Mutter bewusst entschieden, zu Hause zu bleiben, war viele Jahre für die Kinder da, habe Haushalt gemacht, gekocht, gewaschen, getröstet, Hausaufgaben begleitet, Fahrdienste übernommen, nachts an Betten gesessen, die Kinder versucht zu selbstständigen und guten Menschen mit christlichen Werten zu erziehen. Und nebenbei habe ich ein bisschen gearbeitet, damit das Geld reicht. Nur eben nicht 45 Jahre lang Vollzeit und lückenlos in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.

Und deshalb habe ich weniger geschafft???

Ja okay, Kindererziehungszeiten werden bei der Rente berücksichtigt. Das ist gut und richtig. Und natürlich bin ich dafür auch dankbar. Trotzdem passt mein Lebenslauf nicht in dieses schöne Modell: Mit 16 anfangen, 45 Jahre durcharbeiten und dann darfst du früher gehen.

Und ich kenne viele Frauen meiner Generation, bei denen das genauso ist.

Wir haben Kinder großgezogen. Manche haben Eltern gepflegt. Viele sind jahrelang beruflich kürzergetreten, weil irgendjemand nun einmal zu Hause sein musste. Und häufig waren wir dieser Irgendjemand. Dazu kommt noch das Ehrenamt.

Das alles war auch Arbeit. Nur stand auf der Abrechnung am Monatsende eine ziemlich überschaubare Summe. Meistens nämlich gar keine.

Und jetzt wird darüber diskutiert, ob wir vielleicht noch länger arbeiten müssen. Also, ich arbeite gerne ein bisschen länger, aber auf den Rentenanspruch ab 67 verzichten? Mhm …

Und wenn ich mich jetzt schon mal politisch auslasse, das kommt ja nicht oft vor, aber gerade beschäftigt mich so einiges, dann lass uns doch mal über den Haushalt sprechen. Ich führe übrigens seit vielen Jahren ein Haushaltsbuch.

Ich lebe nach einem ziemlich einfachen Prinzip und genau so habe ich meine Kinder erzogen: Ich kann auf Dauer nicht mehr Geld ausgeben, als ich habe.

Natürlich kann ich einen Kredit aufnehmen. Für ein Haus zum Beispiel. Oder für etwas, das eine Investition in die Zukunft ist. Dann überlege ich aber vorher, ob ich mir das leisten kann und wie ich das Ganze wieder zurückzahle. Wenn ich mich dabei völlig verkalkuliere, muss ich die Konsequenzen tragen. So funktioniert es bei uns allen.

Natürlich weiß ich, dass ein Staatshaushalt nicht eins zu eins mit meinem Haushaltsbuch vergleichbar ist. Trotzdem verstehe ich zunehmend weniger, warum bei unserem Staat manchmal der Eindruck entsteht, als würden komplett andere Regeln gelten. Deutschland nimmt enorme Summen an neuen Schulden auf. Man kann darüber diskutieren, welche davon notwendig sind. Infrastruktur, Verteidigung, Soziales, Bildung und einiges mehr kosten Geld. Alles richtig. Aber irgendwann muss doch trotzdem die Frage erlaubt sein: Wer bezahlt das eigentlich alles? Und wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, wenn politische Entscheidungen sich Jahre später als falsch herausstellen?

Ein Geschäftsführer kann nicht einfach sagen: Ups, war wohl keine so gute Idee. Eine Familie übrigens auch nicht. Ich auch nicht. In der Politik wechseln irgendwann die Personen. Die Schulden bleiben. Und die Folgen tragen am Ende Menschen, die heute vielleicht noch gar nicht wählen dürfen. Unsere Kinder und Enkel.

Vielleicht bin ich da zu einfach gestrickt. Ich habe natürlich nicht wirklich den politischen Durchblick. Aber ich hätte gerne, dass mit dem Geld eines Staates sorgfältiger umgegangen wird und dass genau hingeschaut wird, wofür neue Schulden gemacht werden. Und ich möchte in einem Land leben, in dem Leistung anerkannt wird. Auch die Leistung, die auf keinem Gehaltszettel auftaucht. Ich möchte, dass sorgsam mit dem Geld umgegangen wird, das Menschen erwirtschaften.

Und dann möchte ich auch, dass wir über all das reden können. Auch kontrovers. Ohne dass wir uns sofort gegenseitig in irgendwelche Schubladen stecken. Dass wir uns trauen, auch mal unsere Meinung zu sagen oder zu schreiben, ohne dabei Angst zu haben, dem ein oder anderen auf die Füße zu treten.

Ich kann eine politische Entscheidung falsch finden und du kannst sie richtig finden. Wir können darüber diskutieren und uns anschließend trotzdem noch mögen. Das würde ich mir tatsächlich wieder ein bisschen mehr wünschen.

Was ich mir noch wünsche:

Frieden und Sicherheit. Ich möchte meine Kinder in keinen Krieg ziehen lassen und auch nicht erleben, dass meine Enkel irgendwann mit dieser Angst groß werden müssen.

Freiheit. Weil ich selbst entscheiden möchte, wie ich lebe, was ich glaube und was ich denke. Und Gerechtigkeit. Weil für mich zu einer guten Gesellschaft gehört, dass wir diejenigen nicht vergessen, die Unterstützung brauchen, und gleichzeitig anerkennen, was Menschen leisten.

Ich wünsche mir einen Staat, der vernünftig mit unserem Geld umgeht. Eine Gesellschaft, in der Familienarbeit genauso als Lebensleistung gesehen wird wie 45 Jahre Erwerbsarbeit. In der Familien gestärkt werden. In der wir unseren christlichen Glauben und unsere Werte leben und auch zeigen dürfen. Und in der Menschen miteinander reden können, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind.

Ist das zu viel? Vielleicht.

Aber wünschen darf man ja noch.

hm

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