Wenn du morgen alles vergessen hättest …
Auf der Fahrt von Cagliari nach Hause, nachdem ich meinen Sohn und meine Schwiegertochter zum Flughafen gebracht hatte, habe ich mir eine Podcastfolge von
@ben_ungeskriptet angehört.
Am Ende der Folge stellte Ben seinem Gesprächspartner eine Frage, die bei mir sofort hängen blieb:
„Wenn du über Nacht unter Amnesie leiden würdest und du hättest die Möglichkeit, dir vorher etwas auf einen Post-it zu schreiben, den du morgens findest. Was würdest du darauf schreiben?“
Ich gebe zu, ich habe danach ein paar Sekunden gar nicht mehr richtig zugehört. Weil mich diese Frage so fasziniert hat.
Was würde ich auf diesen Zettel schreiben? Ich musste nicht lange nachdenken. Innerhalb von ein paar Sekunden wusste ich meine Antwort.
Es hatte nichts damit zu tun, wer ich bin. Nichts mit meiner Persönlichkeit, meinem Beruf, meinen Fähigkeiten oder mit dem, was ich in meinem Leben erreicht habe. Und tatsächlich war mein erster Gedanke auch nicht meine Familie.
Es waren drei schlichte Worte:
Jesus liebt dich!
Und während ich das dachte, schossen mir tatsächlich ein paar Tränen in die Augen.
Weil mir in diesem Moment so deutlich bewusst wurde: Das ist wirklich das Wichtigste in meinem Leben.
Natürlich würde ich wissen wollen, wer ich bin. Wie ich heiße. Mit wem ich verheiratet bin. Wer meine Kinder sind und dass ich eine Enkeltochter habe. Ich würde wissen wollen, wo ich wohne, welche Menschen zu meinem Leben gehören, welche Freunde mich schon seit Jahrzehnten begleiten. Ich würde wissen wollen, was ich gerne mache, worüber ich lachen kann, was mich traurig macht, was ich erlebt und vielleicht auch durchgestanden habe. Welche Orte mir etwas bedeuten. Welchen Beruf ich habe, welche Bücher ich geschrieben habe, welche Arbeit mir Freude macht.
Ich würde mein ganzes Leben zurückhaben wollen.
Aber wenn auf diesem kleinen Zettel nur Platz für eine einzige Botschaft wäre, dann wäre es genau diese:

Denn wenn ich wirklich bei null anfangen müsste, dann würde ich wenigstens mit dieser einen Gewissheit anfangen wollen. Ich müsste mich nicht erst auf die Suche nach Gott machen, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suche. Ich müsste nicht erst irgendwann zufällig entdecken, dass da einer ist, der mich kennt, der mich sieht und der mich liebt.
Vielleicht würde ich vieles über mich neu herausfinden müssen. Aber genau das möchte ich nicht neu herausfinden müssen.
Für mich ist es reine Gnade, dass ich mit 18 Jahren die Entscheidung getroffen habe, Jesus mein Leben anzuvertrauen. Seitdem ist diese Beziehung das Fundament meines Lebens. Mal bewusster, mal selbstverständlicher, mal mit Fragen und Zweifeln, mal mit einer ganz tiefen Gewissheit. Aber immer da.
Und der Gedanke, dass ich bei einem völligen Neustart meines Lebens an dieser Liebe vielleicht vorbeilaufen könnte, berührt mich sehr. Dass ich Gott gegenüber vielleicht blind wäre. Zu beschäftigt. Zu leichtfertig. Zu sehr mit mir selbst und meinem Leben beschäftigt. Dass ich vielleicht nie auf die Idee käme, nach ihm zu fragen.
Drei Worte, die für mich offenbar noch wichtiger sind als mein Name, meine Geschichte und alles, was ich über mich selbst wissen könnte.
Ich fand das eine ziemlich krasse Erfahrung. Vor allem, weil sie mit dem eigentlichen Inhalt des Interviews überhaupt nichts zu tun hatte. Das Gespräch selbst fand ich übrigens auch sehr stark 😉 Aber dieser kleine Moment ganz am Ende hat bei mir etwas ausgelöst, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Gute Frage, lieber Ben.
Was würdest du auf einen Post-it schreiben, wenn du morgen früh nichts mehr über dein bisheriges Leben wüsstest?
hm