Danke für die Freundschaft
Ein paar wunderschöne Tage mit unseren engsten Freunden aus Deutschland liegen hinter uns. Und während wir zusammensaßen, gegessen, geredet und gelacht haben, dachte ich wieder einmal: Es ist schon etwas sehr Besonderes, wenn Freundschaften so lange währen.

Es gibt ja die unterschiedlichsten Arten von Freundschaften.
Menschen kommen in unser Leben und verschwinden nach einer Weile wieder. Andere begleiten uns über viele Jahre. Man teilt eine intensive Zeit miteinander, erlebt viel, kennt sich gut und irgendwann gehen die Wege doch in unterschiedliche Richtungen. Und dann gibt es diese wenigen Menschen, die irgendwie bleiben. Durch verschiedene Lebensphasen hindurch, durch Nähe und Entfernung, durch Veränderungen, manchmal sogar durch Zeiten, in denen man sich weniger sieht oder hört.
Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass Freundschaft für mich viele Gesichter hat. Ich habe Freundinnen, mit denen ich tiefe Gespräche führen kann. Mit anderen kann ich wunderbar shoppen gehen, lachen oder einen schönen Abend verbringen. Mit Beate arbeite ich seit vielen Jahren zusammen, wir haben gemeinsam etwas aufgebaut. Mit Cinzia feiere ich sardische Feste, sitze auf der Straße, esse, lache und genieße dieses herrlich unkomplizierte Zusammensein.
Auch unsere sardischen Freunde nennen wir Freunde. Und trotzdem bleibt manches zwischen uns an der Oberfläche. Das liegt vor allem an der Sprache. Für Herzlichkeit reicht unser Italienisch längst. Für richtig tiefe Gespräche oft noch nicht. Manchmal finde ich das schade, denn ich würde so gerne mehr wissen. Was bewegt den anderen wirklich? Was macht ihm Angst? Worüber denkt er nach? Was hat ihn geprägt?
Vielleicht beginnt genau dort für mich eine andere Ebene von Freundschaft: wenn man einander nicht nur kennt, sondern sich auch ein Stück weit erkennt.
Viele Jahre habe ich in unserer Gemeinde die Frauenarbeit geleitet. Es gab Zeiten, da war ich umgeben von Frauen. Wir haben uns regelmäßig getroffen, miteinander geredet, gebetet, gefeiert und vieles geteilt. Damals hätte ich wahrscheinlich viele davon als Freundinnen bezeichnet. Heute frage ich mich manchmal: Was ist eigentlich aus all diesen Freundschaften geworden? Einige von ihnen sehe ich kaum noch. Von manchen weiß ich fast nichts mehr. Bei anderen ist eine herzliche Verbindung geblieben, obwohl unser Alltag längst nicht mehr miteinander verbunden ist.
Ich benutze das Wort „Freund“ ziemlich großzügig. Dabei meine ich oft etwas anderes. Es gibt Menschen, die ich sehr mag. Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin. Gute Bekannte. Weggefährten. Menschen aus bestimmten Lebensabschnitten. Und dann gibt es diese wenigen, bei denen ich spüre: Du kennst mich wirklich.
Du kennst nicht nur die Heike, die erzählt und lacht. Du kennst auch meine Geschichte. Meine Ecken. Meine Verletzlichkeit. Meine Fehler. Vielleicht auch Seiten an mir, die du anders siehst als ich. Und trotzdem bist du da. Mit genau solchen Freunden haben wir die letzten drei Tage verbracht.
Früher habe ich gerne gesagt: „Das ist meine beste Freundin.“ Heute mag ich diesen Satz nicht mehr so sehr. Denn was heißt eigentlich „die Beste“? Muss Freundschaft eine Rangliste haben? Vielleicht gibt es gar nicht die eine beste Freundin. Vielleicht gibt es Menschen, die an unterschiedlichen Stellen meines Lebens einen ganz besonderen Platz haben. Mit der einen teile ich etwas, das ich mit einer anderen nicht teile. Eine kennt meine Vergangenheit, eine andere meinen heutigen Alltag. Eine wohnt um die Ecke, eine andere viele Kilometer entfernt. Und vielleicht muss keine von ihnen „die Beste“ sein, um mir sehr nah zu sein.
Freundschaft zeigt sich für mich immer weniger darin, wie oft man sich sieht oder wie viele gemeinsame Fotos es gibt. Sie zeigt sich darin, ob man ehrlich sein darf. Ob man sich füreinander freuen kann. Ob man auch schwierige Wahrheiten aushält. Ob man einander Freiheit lässt. Und ob nach Jahren immer noch dieses Gefühl da ist: Bei dir muss ich mich nicht erklären.
Was ich eigentlich damit sagen will: Danke für eure Freundschaft!!!
hm