|

Warum eine Waschanlage mich mutiger gemacht hat

Ich war in der Waschanlage. Mit unserem California. Alleine.

Wer jetzt denkt: „Na und?“, der war vermutlich noch nie mit einem größeren Auto in einer italienischen Waschanlage, wenn er die Sprache nur so halb beherrscht.

Unser Cali sieht hier auf Sardinien meistens aus, als hätte er eine Wüstenrallye hinter sich. Ich wasche ihn deshalb oft von Hand. Bei über 30 Grad macht das allerdings ungefähr so viel Spaß wie Fensterputzen im Hochsommer. Also bleibt das Auto dreckig. SEHR dreckig. Und jedes Mal, wenn ich damit fahre, weint mein Herz ein bisschen. Mein Mann fährt hin und wieder in die Waschanlage. Ich bisher nicht.

„Was ist, wenn das Auto vielleicht zu breit ist? Muss ich die Spiegel einklappen? Soll ich drin sitzen bleiben? Wo muss ich drücken? Kann ich mit Karte bezahlen? Was, wenn ich irgendetwas falsch verstehe?“

Aber sorry, wie blöd ist das eigentlich? Also bin ich heute einfach hingefahren und habe gesagt: „Ich brauche Hilfe.“ Also ich habe nicht gesagt: „Ich brauche Hilfe.“, sondern: „Buongiorno, ho bisogno di aiuto, per favore.“ Weil ich doch mittlerweile etwas Italienisch spreche.

Der Mitarbeiter hat mir alles erklärt und zehn Minuten später war der Cali sauber. So einfach, aber für mich trotzdem eine kleine Heldentat.

Vorher war ich übrigens bei der Mülldeponie. Auch so ein Abenteuer. Hier wird der Müll unglaublich genau getrennt. Manches wird angenommen, manches nicht. Manchmal verstehe ich die Regeln, manchmal glaube ich, sie zu verstehen, und manchmal verstehe ich überhaupt nichts. Aber letztes Jahr bin ich einfach hingefahren und alles hat geklappt. Inzwischen kenne ich sogar den Namen vom Mitarbeiter dort: Angelo.

Und Roberto heißt der Inhaber der Tankstelle, wo ich mittlerweile auch regelmäßig tanke. Mit dem Cali und der Vespa. Alleine. War vor ein paar Jahren noch undenkbar. Habe ich mich einfach nicht getraut.

Eigentlich klingt das alles ziemlich unspektakulär. Waschanlage. Tanken. Mülldeponie. Aber in einem anderen Land sind genau diese Kleinigkeiten gar nicht so klein. Andere Sprache, andere Abläufe, andere Gewohnheiten. Und schon fühlt man sich wieder wie eine Anfängerin. Und dann bremst man sich aus, weil man etwas noch nie gemacht hat.

Ich traue mich jetzt einfach. Immer mehr. Immer wieder. Oft bekomme ich es gut alleine hin. Ganz oft frage ich: „Ho bisogno di aiuto, per favore.“

Die wenigsten Menschen verdrehen dann die Augen. Die meisten helfen erstaunlich gern.

Jeder kleine Erfolg macht mich ein Stück selbstständiger. Und irgendwann sind die Dinge, vor denen ich heute noch Respekt habe, ganz normal geworden.

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben gerade so eine kleine Waschanlage. Eine Tankstelle oder eine Mülldeponie. Etwas, das für andere völlig selbstverständlich aussieht und dir trotzdem ein bisschen Bauchkribbeln macht.

Dann trau dich. Vielleicht wartet am Ende gar nicht die große Herausforderung auf dich, sondern einfach nur ein freundlicher Mensch, der dir erklärt, wie es geht. Und dann kannst du es.

hm

Ähnliche Beiträge

  • | |

    EINZIG.ART.ICH

    Die Idee zum Podcast kam mir am Sonntag während der Predigt unseres Sohnes. Hab’s mal mit meinen Gedanken ergänzt, und lasse die Süßmaus in dieser Folge singen 😉 Jeder Mensch ist ein Original, einmalig und unverwechselbar. Du bist einzigartig, so wie du bist. Mit all deinen Eigenheiten.  Mit deinen Vorzügen & Talenten.  Mit deinen Ecken & Kanten. So, wie du die Welt erlebst. Und wie du deine Tage gestaltest. Du bist der einzige Mensch, der du sein kannst. Je früher du dich damit versöhnst, desto freier wirst du leben. Du bist Einzigartig – so wie du bist. Und hast deine ganz eigene Art (Kunst). Viel Freude mit dieser Folge: https://bodyspiritsoul.podigee.io/101-einzig-art-ich   hm

  • | | |

    Gehen lassen geht nicht

    In unserer sehr strukturierten Welt, wo es sich nicht gehört, sich gehen zu lassen, wo wir eigentlich Contenance waren, wo wir kontrolliert sind, gibt es doch manche gesellschaftlich akzeptable Rituale sich gehen zu lassen. Karneval steht da an oberster Stelle. An Karneval ist alles erlaubt. Sich gehen lassen ist das Gegenteil von Haltung bewahren. Und während du vielleicht in allen Bereichen deines Lebens immerzu die Haltung bewahrst, fällt es dir beim Essen schwer. Könnte es sein, dass dieser Wunsch, auch mal fünf gerade sein zu lassen dazu führt, dass wir hin und wieder die Fassung verlieren. Die Disziplin. Dass wir einfach auch mal keinen Bock haben alles unter Kontrolle zu haben. Uns gehen lassen. Und sich das auf unser Essverhalten auswirkt. Mal ist nicht so…

  • |

    Das Geld ist ja nicht weg

    Dieser Moment, wenn du an der Kasse stehst und dein Leergutbon nicht mehr in der Jackentasche ist. In dem dir klar wird, dass er herausgefallen sein muss, während du dein Handy in die Hand genommen hast…… Für 3,05 € hatte ich Pfandflaschen weggebracht. Irgendwo zwischen dem Sektregal und den Aufbackbrötchen muss mir der Bon aus der Jackentasche gefallen sein. Sehr wahrscheinlich, als ich mein Handy aus der Tasche zog. Zweimal hatte ich es in die Hand genommen. Einmal eine WhatsApp verschickt, einmal auf die Einkaufsliste geschaut. Über sowas kann ich mich ja richtig ärgern. 3,05 € einfach so weggeschmissen……. Ich kenne mich ja, und ich weiß, dass ich mich über solche Missgeschicke total aufregen kann. Ich also, nachdem ich den Supermarktboden nochmals abgesucht hatte raus…

  • |

    Zum ersten und letzten Mal

    Warum ich drei Tage früher über Rom nach Deutschland geflogen bin, verrate ich dir in der neuen Podcastfolge. Außerdem 20 Dinge, die ich in diesem Jahr das erste Mal gemacht habe. Und 6 Dinge, die zu Ende gegangen sind. Schönes und Trauriges, aber so ist das Leben. Das kennen wir ja 😉 Viel Freude beim Hören der neuen Podcastfolge: https://bodyspiritsoul.podigee.io/157-zum-ersten-und-letzten-mal hm

  • |

    Unterwegs am Bodensee

    Ob ich im März 2023 noch freie Termine hätte, wurde ich von der FCG Ravensburg angefragt. Leider nein. Ein Blick in meinen Terminplaner und dann mein Vorschlag: Ich spreche am 31. März in Meersburg, das ist nicht weit von Ravensburg entfernt. Wenn ihr euer Frauenfrühstück auf den 1. April verlegt, dann komme ich gerne. Und da spart ihr sogar noch Fahrtkosten, weil ich die natürlich nicht beiden Veranstaltern in Rechnung stelle. Muss halt nur übernachten. Und wo ich dann sowieso schon mal am Bodensee bin, verabrede ich mich gleich auch noch mit Joanna Haverkamp, der Leiterin von Hillsong Deutschland und Expand – der Frauenarbeit des BfP. Donnerstagnachmittag geht es los. Übernachten werde ich in Hagnau. Freitagfrüh das Date mit Joanna. Mittags und nachmittags werde ich…

  • |

    Geliebter Alltag

    Da ist er wieder, mein geliebter Alltag. Hatte sich für zwei Wochen zurückgezogen um dem Urlaub Platz zu machen. Seit gestern läuft hier wieder volles Programm. Bin mit zwei Lebe-leichter-Kursen gestartet, aus denen aufgrund der großen Nachfrage jetzt drei Kurse geworden sind. Solltest du also noch überlegen: Dienstags 10:00 Uhr, 17:15 Uhr und 18:30 Uhr Alltag bedeutet natürlich nicht nur die Lebe-leichter-Kurse, sondern alles drumherum auch. Beate und ich mailen uns manchmal die Finger wund, einmal wöchentlich haben wir einen Telefontermin. Da wird alles Wichtige besprochen. Gerade ist mal wieder richtig viel wichtig. Hin und wieder sehen wir uns zu gemeinsamen Veranstaltungen, da planen wir meistens auch noch ein paar Stündchen ein. Denn immerhin liegen knapp 300 km zwischen uns. In zwei Wochen, da sehen…